Herausforderndes Verhalten bei Demenz – Ursachen und Strategien
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Herausforderndes Verhalten bei Demenz gehört zu den belastendsten Erfahrungen für pflegende Angehörige – und gleichzeitig zu den am häufigsten missverstandenen. Angehörige und Betreuer sehen sich oft mit Situationen konfrontiert, die sowohl emotional als auch physisch belastend sind. In diesem Blogartikel möchte ich die Ursachen herausfordernden Verhaltens bei Menschen mit Demenz beleuchten und Strategien vorstellen, um besser damit umzugehen.
Was ist Demenz – und warum führt sie zu herausforderndem Verhalten?
Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, die zu einem fortschreitenden Verlust kognitiver Fähigkeiten führen. In der Fachliteratur findet man unterschiedliche Zahlen, jedenfalls gehen alle von 40 bis zu 60 verschiedene Arten von Demenz aus. Alzheimer ist jedoch die häufigste Form, gefolgt von vaskulärer Demenz, Lewy-Körper-Demenz und frontotemporaler Demenz. Die Symptome variieren, können u.a. Gedächtnisverlust, Verwirrtheit, Sprachschwierigkeiten und Verhaltensänderungen umfassen.
In meiner täglichen Arbeit mit pflegenden Angehörigen erlebe ich immer wieder, wie sehr das Verstehen dieser Ursachen den Umgang im Alltag erleichtert.

Ursachen von herausforderndem Verhalten bei Demenz
Herausforderndes Verhalten bei Menschen mit Demenz kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden (wobei die Herausforderung natürlich die betreuenden An- und Zugehörigen sowie das Pflegepersonal betrifft):
Kognitive Beeinträchtigungen
Mit dem Fortschreiten der Demenz nimmt die Fähigkeit ab, die Umgebung zu verstehen und zu verarbeiten. Dies kann zu Verwirrung, Angst und letztlich zu herausforderndem Verhalten führen.
Emotionale Faktoren
Unerfüllte emotionale Bedürfnisse, wie das Bedürfnis nach Zuneigung oder Sicherheit, können Verhalten auslösen. Wenn sich eine Person mit Demenz missverstanden oder allein fühlt, kann sie dies durch Aggressivität oder Rückzug ausdrücken.
Physische Bedürfnisse
Schmerzen, Hunger, Durst oder Schlafmangel können herausforderndes Verhalten auslösen. Da viele Betroffene Schwierigkeiten haben, ihre Bedürfnisse verbal auszudrücken, wird dieses Verhalten oft als einzige Kommunikation eingesetzt.
Unangemessene Umgebung
Überreizung durch Lärm, Unordnung oder unbekannte Umgebungen kann bei Menschen mit Demenz Stress und Verwirrung verursachen. Eine ruhige und vertraute Umgebung kann helfen, diese Auslöser zu minimieren.
Welche Arten von herausforderndem Verhalten gibt es bei Demenz?
Vorab ein Buchtipp: Buch zu herausforderndem Verhalten bei Demenz https://www.thalia.at/shop/home/artikeldetails/A1054403981
Herausforderndes Verhalten kann in verschiedenen Formen auftreten:
Aggressivität
Aggressivität kann verbal (Schreien, Beleidigen) oder physisch (Schlagen, Kratzen) sein. Dies geschieht oft aus Frustration oder Angst. Manchmal kann es aber auch ganz konkret um eine spezielle Person handeln – zB, weil diese Person optisch jemandem ähnelt, mit dem die an Demenz erkrankte Person ein ganz schwieriges Verhältnis hatte (Vater, Mutter etc).
Starker Bewegungsdrang
Viele Menschen mit Demenz neigen dazu, umherzulaufen. Man hört auch immer wieder von „Weglauftendenz". Vielmehr hat sich die Sicht in Fachkreisen aber nun dahingehend geändert, dass es eigentlich eine Hinlauf-Tendenz ist. (Also, wenn zB „interessante" Türen zum Rausgehen einladen. Oft „versteckt" man zB eine unverschlossene Tür, damit sie nicht mehr als solche wahrgenommen wird und so auch niemand versucht ist, aus Neugier oder einfach nur Interesse durch diese Tür zu gehen 😊).
Das kann durchaus sehr problematisch sein, insbesondere dann, wenn sich eine an Demenz erkrankte Person in einer ungewohnten Umgebung befindet und den Weg zurück nicht mehr alleine schafft, sich also verirrt. Das erzeugt dann natürlich puren Stress und Panik. Was natürlich wiederum zu herausfordernden Verhaltensweisen führt.
Wenn es aber eine geschützte Umgebung gibt, wo die Person sicher herumlaufen kann – also zum Beispiel einen Garten oder einen entsprechenden Bereich in einer Pflegeeinrichtung – dann ist das Herumlaufen absolut keine Problematik, sondern dann ist es für die Bewegungsfreiheit sogar gut. Auch wenn so ein umzäunter Garten sicher eine Form von einem beschränktem Freiraum, ich finde es dennoch allemal besser, als wenn jemand mittels Senderarmband ständig von der Eingangstür zurückgeholt wird. Also, ich würde das definitiv nicht wollen – und so kann natürlich schon wieder herausforderndes Verhalten entstehen, weil diese Person einfach nicht einsieht, weshalb sie nicht weggehen darf. Wir sprechen nämlich von einem Erwachsenen, der an Demenz erkrankt ist, der einen freien Willen hat und sein bisheriges Leben immer frei war zu entscheiden, wohin er gerade gehen möchte. Widerstand ist daher verständlich, oder?Demenz ist eine komplexe Erkrankung, die nicht nur das Gedächtnis und die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt, sondern auch zu herausforderndem Verhalten führen kann. Angehörige und Betreuer sehen sich oft mit Situationen konfrontiert, die sowohl emotional als auch physisch belastend sind. In diesem Blogartikel möchte ich die Ursachen herausfordernden Verhaltens bei Menschen mit Demenz beleuchten und Strategien vorstellen, um besser damit umzugehen.

Was ist Demenz – und warum führt sie zu herausforderndem Verhalten?
In meiner täglichen Arbeit mit pflegenden Angehörigen erlebe ich immer wieder, wie sehr das Verstehen dieser Ursachen den Umgang im Alltag erleichtert.
Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, die zu einem fortschreitenden Verlust kognitiver Fähigkeiten führen. In der Fachliteratur findet man unterschiedliche Zahlen, jedenfalls gehen alle von 40 bis zu 60 verschiedene Arten von Demenz aus. Alzheimer ist jedoch die häufigste Form, gefolgt von vaskulärer Demenz, Lewy-Körper-Demenz und frontotemporaler Demenz. Die Symptome variieren, können u.a. Gedächtnisverlust, Verwirrtheit, Sprachschwierigkeiten und Verhaltensänderungen umfassen.
Widerspruch
Häufig kommt es vor, dass Betroffene Anweisungen oder Fragen nicht folgen wollen oder diese aktiv ablehnen. Man darf dabei nicht vergessen, dass die Logik eine kognitive Fähigkeit ist, die bei Menschen mit Demenz sehr oft nur mehr sehr eingeschränkt verfügbar ist. Also sind Anweisungen ganz bewusst einfach zu halten.
eine einzige Frage beinhaltenFragen mit „W“ sollte man in der Regel ohnehin besser vermeiden. Wer? Was? Warum? Wann? Woher? --> Weil sie eine gezielte Antwort verlangen, das Gehirn sich auf das Gedächtnis berufen muss. Wenn also die befragte erkrankte Person so eine Frage gestellt bekommt und die Antwort darauf nicht geben kann (was sehr oft der Fall ist), so kann sie sich durchaus in die Enge getrieben fühlen. Ein Mensch mit zunehmend kognitiven Einschränkungen bemerkt jedenfalls, dass er „schon wieder“ etwas vergessen hat bzw. nicht beantworten kann. Solche Fragen können dann bestenfalls sehr widersprüchliche/ komplett falsche und konstruierte Antworten hervorbringen, wenn sich die an Demenz erkrankte Person nicht die Blöße geben möchte, dass sie keine Antwort hat. Schlechtestenfalls verursachen solche widerholten Fragen herausforderndes Verhalten, weil der/die Gefragte ungeduldig oder aggressiv wird. (Stellen Sie sich nur vor, jemand würde Sie ständig mit Fragen bedrängen, auf die Sie stets nur „ich weiß nicht“ antworten könnten. Würden Sie da nicht irgendwann frustriert werden, die Geduld verlieren und keine Fragen mehr hören wollen?).
Rückzug
Manche Menschen ziehen sich zurück und vermeiden immer öfter soziale Interaktionen. Dies kann eine Reaktion auf Überforderung oder eine Möglichkeit sein, mit ihrer Krankheit umzugehen. Sozialer Rückzug beschleunigt jedoch das Fortschreiten der Demenz, da für das Gehirn so dringend notwendige Impulse wie Gespräche mit anderen ausbleiben sowie das Erleben der Alltagsumgebung außerhalb der eigenen vier Wände nicht mehr stattfindet.
Strategien für Angehörige: So gehst du mit herausforderndem Verhalten um
Empathie und Geduld
Es ist wichtig, empathisch und geduldig zu sein. Versuchen Sie immer, die Perspektive des Betroffenen zu verstehen, am besten versetzen Sie sich wirklich in dessen Situation. Nehmen Sie die Gefühle und Ängste von Menschen mit Demenz immer ernst, auch wenn sie Ihnen absolut unbegründet oder unverständlich erscheinen.
Klare Kommunikation
Verwenden Sie eine einfache, klare Sprache und sprechen Sie langsam. Vermeiden Sie es, mehrere Informationen auf einmal zu geben. Nonverbale Kommunikation wie Gesten und Mimik kann ebenfalls hilfreich sein. Achtung: Sarkasmus ist in sehr frühem Krankheitsstadium schon meist nicht mehr zu verstehen. Allerdings können die meisten Mensch mit Demenz noch sehr gut mit Humor umgehen. Und jedes Schmunzeln oder Lachen ist ein wertvoller Moment, der auch auf positive Weise emotional definitiv nachwirkt- selbst dann, wenn die lustige Situation und sogar Ihr Besuch bei Ihrem erkrankten Angehörigen vielleicht schon längst vorbei ist.
Struktur und Routine
Ein fester Tagesablauf bietet Sicherheit. Strukturierte Aktivitäten helfen, die Orientierung zu fördern und Stress abzubauen. Man muss aber gut darauf achten, dass demenziell erkrankte Menschen nicht über – bzw. auch nicht unterfordert werden!
Angemessene Umgebung schaffen
Gestalten Sie die Umgebung ruhig und übersichtlich (Web-Tipp: www.demenz-braucht-raum.at). Entfernen Sie unnötige Reize, die Verwirrung oder Angst auslösen könnten. Ein vertrauter Raum wirkt immer beruhigender als eine unbekannte Umgebung.
Bedürfnisorientierte Ansprache
Achten Sie auf die Bedürfnisse des Betroffenen. Fragen Sie nach seinen/ihren Wünschen und versuchen Sie, diese zu erfüllen, solange es möglich ist. Respektieren Sie ihre Autonomie.
Stressbewältigung für Angehörige
Der Umgang mit herausforderndem Verhalten kann für Angehörige äußerst belastend sein. Es ist wichtig, regelmäßig Pausen einzulegen und Unterstützung zu suchen, sei es durch Selbsthilfegruppen oder professionelle Hilfe.
Professionelle Unterstützung
In vielen Fällen kann professionelle Unterstützung notwendig sein. Fachkräfte, wie Ergotherapeuten oder Psychologen, können wertvolle Hilfestellungen geben und Strategien entwickeln, um den Umgang mit herausforderndem Verhalten zu erleichtern. Sehr wertvoll sind auch Einrichtungen wie die Angehörigenberatung der Caritas, die ihre Dienste unentgeltlich anbietet und so ein niederschwelliges Angebot für alle betreuenden Angehörigen darstellt.
Zusammenfassung: Herausforderndes Verhalten bei Demenz verstehen und handeln
Herausforderndes Verhalten bei Menschen mit Demenz ist eine häufiges und schwieriges Thema, das sowohl Betroffene als auch betreuende Angehörige betrifft. Ein tiefes Verständnis der Ursachen und das Erlernen geeigneter Strategien tragen dazu bei, den Alltag für alle Beteiligten zu erleichtern. Geduld, Empathie und die Schaffung einer unterstützenden Umgebung sind entscheidend, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und ihnen ein würdevolles Leben zu ermöglichen. Indem wir uns gegenseitig unterstützen und das Bewusstsein der Gesellschaft für die vielfältige Erkrankung DEMENZ stärken, bewirken wir einen positiven Unterschied im Leben von Menschen mit Demenz und ihren Familien.
Quellen: Deutsche Alzheimer Gesellschaft https://www.deutsche-alzheimer.de Österreichische Alzheimer Gesellschaft https://www.alzheimer-selbsthilfe.at
Häufige Fragen zu herausforderndem Verhalten bei Demenz
Frage 1: Was tun wenn Demenzkranker aggressiv wird?
Antwort: Aggression bei Demenz ist fast immer ein Ausdruck von Angst, Schmerz oder Überforderung – nicht von bösem Willen. Bleibe ruhig, gehe einen Schritt zurück und versuche herauszufinden, was kurz davor passiert ist. Oft hilft es, die Situation zu entschärfen, indem du das Thema wechselst oder eine vertraute Tätigkeit anbietest.
Frage 2: Warum läuft mein Angehöriger mit Demenz ständig weg?
Antwort: Was wie „Weglaufen" aussieht, ist oft eine Hinlauf-Tendenz – der Betroffene möchte irgendwo hin, nicht weg. Häufige Auslöser sind Unruhe, Bewegungsdrang oder das Gefühl, etwas erledigen zu müssen. Ein sicherer Bewegungsraum und das Entfernen von „einladenden" Türen können helfen.
Frage 3: Wie gehe ich mit Widerstand bei Demenz um?
Antwort: Widerstand entsteht oft, wenn Anweisungen zu komplex sind oder W-Fragen gestellt werden, die das Gedächtnis belasten. Halte Anweisungen kurz und einfach, stelle nur eine Frage auf einmal und vermeide Fragen, die mit „Wer", „Was" oder „Warum" beginnen.
Frage 4: Warum zieht sich mein Angehöriger mit Demenz immer mehr zurück?
Antwort: Sozialer Rückzug ist eine häufige Reaktion auf Überforderung. Betroffene merken, dass sie Gesprächen nicht mehr folgen können, und vermeiden diese Situationen. Wichtig: Rückzug beschleunigt den Abbau, weil das Gehirn weniger Impulse bekommt. Kurze, ruhige Begegnungen ohne Leistungsdruck helfen mehr als große Runden.
Frage 5: Wie schütze ich mich als Angehöriger vor Erschöpfung?
Antwort: Regelmäßige Pausen sind keine Schwäche, sondern Voraussetzung dafür, dass du langfristig für deinen Angehörigen da sein kannst. Nutze Entlastungsangebote wie die Angehörigenberatung der Caritas, Selbsthilfegruppen oder professionelle Begleitung.

